Kip Supernova

PLANET BAAB

3D Computer Graphic Art by Kip Supernova

Bionautics by Kip Supernova
Bionautics - PsychoLoops
von Kip Supernova



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An meinem ersten Tag an der BASA Akademie wurde uns gesagt, dass alles machbar sein, wenn man es nur wirklich wolle und den Mut hat, es durchzuziehen. Naja, viele haben Mut und wollen auch wirklich was bewirken - was immer das auch sein sollte - aber man muss es auch können. Jemand, der nicht gut in Mathematik ist wird wohl kaum bei der Mathe-Olympiade einen Preis gewinnen, oder? Aber genug von dem Gesabbel, ich langweile euch nur. Will gleich zu meiner Geschichte kommen.
Wir hatten jedenfalls ein Fach, das "Bionautics" hieß, und obwohl ich Quanten Mechanik und Astrophysik im Hauptfach hatte, fand dieses Fach mein Interesse - ich schrieb mich ein und bekam prompt eine Aufgabe: Abtauchen in das "Bioversum", aber nur virtuell!
Virtuell? Okay, kein Problem! Quim leiht mir von Zeit zu Zeit seinen NAO Robot aus (der stammt eigentlich von der Erde, aber Quim behauptet immer, er hätte den Robot gebaut usw. obwohl ich ihm das nicht abkaufe). Zusammen mit Kiku habe ich ein Neuro-Interface entwickelt, und mein Hirn mit dem CPU-Hirn von NAO verlinkt.
Dazu muss man noch erklären, dass die Neuro-Interface-Technologie nichts Neues auf Baab ist, allerdings droht bei dieser Technik die Gefahr, sein eigenes Hirn zu sehr zu überlasten. Nicht wenige Schüler und Studenten dachten sich, sie könnten sich auf diese Art den Schulstoff in den Schädel eintrichtern, ohne selbst lernen und / oder zur Schule gehen zu müssen. Pustekuchen! Das Wissen ist zwar im Kopf, aber man kann es nicht abrufen; Hirn überlastet sich und man wird verrückt. Ende und Aus.
Darauf hatte ich natürlich keinen Bock, und nutzte das Interface vielmehr, um über NAO in eine virtuelle Umgebung zu gelangen. Das hat zuerst überhaupt nicht funktioniert - bis ich entdeckt hatte, dass NAO in seiner CPU Hardware einen meiner Träume aufgezeichnet hatte (wie einen Film auf Video!). Traum-Rückholung oder auch Erinnerung-Rückholung wäre damit möglich, denn mal ehrlich: Wer erinnert sich schon an seine Träume?!
Was daran noch viel besser ist: Man kann NAOs Roboter-Körper als "Stellvertreter" (Surrogate oder Avatar auch genannt) nutzen, und in Gebieten herum spazieren, die für meine blaue Haut ein wenig zu gefährlich sind. Der Nachteil: NAO ist nicht gerade der Größte und Schnellste. 
Doch in der VR-Traumsequenz entdeckte ich was anderes, oder besser gesagt: Jemanden! Einen PsychoLoop ...


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Man muss sich das so vorstellen: Ich liege auf meinem Bett, den VR-Neuro-Interface Helm auf dem Kopf, der mit NAO verbunden ist. Durch die Glasfaser-Plasma-Kontakte werden meine Hirn-Ströme (also, schwach elektrische Impulse) zu NAOs CPU und umgekehrt übertragen und in VR-Bilder umgewandelt. Später kann man sich seinen Traum wie einen Spielfilm ansehen, oder als man selbst den Traum nochmal "nachträumen", wie man will.
Ich war also auf Pano, dem Nachbar-Planeten von Baab und traf auf dieses grüne Wesen mit nur einem Auge und der Reptilienhaut. Es sprach kein Wort (hatte keinen Mund), aber ich konnte seine Worte in meinem Kopf "spüren". Es war nicht wie Gedanken lesen, bitte nicht falsch verstehen. Es war vielmehr ein Gefühl, und ich spürte eine friedliche Absicht und ein "Hey komm, wir schauen uns ein bisschen um" Gefühl. 
PsychoLoops - so nennen sich diese Wesen, und dieser PsychoLoop stellte sich mir als "Ploom" vor. Jedenfalls hatte ich ein "Ploom-Gefühl" in meinem Kopf. Ist bisschen schwer zu beschreiben, aber vielleicht probiert ihr auch mal das Neuro-Interface aus, dann versteht ihr vielleicht, was ich meine.
Er (ja, ein Er, PsychoLoops scheinen Non-Binär zu sein, aber da sie Telepathen sind, macht sich jeder ein eigenes Bild von einem Loop, und für mich ist / war Ploom männlich. Ist auch einfacher zu beschreiben als dauernd von einem Es zu reden) lud mich ein, in den SlimeLake von Pano abzutauchen.
Hier muss ich dazu sagen, dass der Slime / Schleim auf Pano eine Flüssigkeit ist, die durchzogen ist von grünem Algen-Schleim, der sich sehr sanft an den Körper schmiegt und dich streichelt und wiegt ... man fühlt sich sehr leicht und anmutig in dem Zeug. In meinem Traum trug ich meine Schutzbrille und einen Atem-Schnorchel, sowie einen Spezialanzug, der mich vor Strahlung schützen soll (und mih aussehen lässt, als wäre ich nackt, aber das sieht nur so aus. Die Grauen haben auch solche Dinger. Oder haben die kein Geschlecht? Ach, was auch immer, weiter im Text ...).
Die Unter-Schleimwelt von Pano (wie Unterwasser-Welt, lustig) ist wahrlich, als wäre man in einem Traum, den man träumt, wenn man zuvor komische Pilze gegessen hätte. Transparente Korallen, Blubble-Algen und jede Menge Fische. Eigentlich finde ich kaum Worte für dieses Erlebnis! Ploom war immer an meiner Seite, und erklärte mir die Zusammenhänge zwischen dem Schleim und den anderen Lebewesen, die "in ihm lebten". Ganz Pano, so bekam ich das Wissen über diverse Emotionen vermittelt, sei ein einziges Lebewesen, und wir schwämmen quasi in seinem "Gehirn". Die PsychoLoops seien die Stellvertreter von Pano´s "Gehirn" und verkörperten sein Bewusstsein. Über Träume kommunizierten sie mit anderen intelligenten Lebensformen, da sie nicht in der Lage zur Raumfahrt seien.
Das Abtauchen und gleiten durch den Schleim, die Gedanken von Ploom und der Mix aus Emotionen war wie ein Musikstück nicht zu hören, sondern zu spüren und darin zu schweben und zu gleiten.
Als ich wieder erwachte (oder besser gesagt: Die Aufzeichnung zu Ende war) und ich den VR-Helm abnahm, blickte ich NAO an und fragte ihn: "NAO, berechne die Wahrscheinlichkeit, eine reale Reise nach Pano anzutreten."
NAO gab mir prompt die Antwort.



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NAO berechnete sehr schnell eine Antwort, und die lautete:

Es gibt zwei Wege nach Pano. Der erste ist ein Flug in einem Raumgleiter, der zweite ist über die Quanten-Teleportation auf der Baab Space Station.“

Na toll – beide Optionen sind nicht gerade sehr rosig. Da ist das eine so schwierig und auch riskant wie das andere. Da entscheide ich mich erst mal für eine zweite Reise über das Dream-Sharing und mit Hilfe des Psycho-Loops (wenn es ihn wirklich gibt und er nicht nur ein Produkt meiner Fantasie ist, eine Art Projektion in meinen Träumen).

Ich erzählte Kiku Supernova von meinem Plan, und Kiku war vor allem als Astrobiologe sehr interessiert an meiner Idee. Zum ersten Mal stieg ich mit einem anderen Baabianer – mit Kiku – via Dreamsharing in die Welt von Pano.

Gemeinsam mit Kiku erforsche in die Welt von Pano, und wir machen eine interessante Entdeckung: Die violetten Glibberdinger und der Schleim scheinen eine Art neuronale Verbindung zu allen Lebewesen zu besitzen. Meine Vermutung, dass Pano wie ein einziges, intelligentes Lebewesen agiert, scheint sich zu bestätigen. Als nächstes steht eine echte Reise zu diesem Planeten an!



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Wahre Erkenntnisse über Vorgänge in der Natur kann man letztendlich nur durch eine Untersuchung vor Ort gewinnen. Auf der BASA Space Station im Orbit von Baab befindet sich ein Quanten-Technologie Labor. Vieles wird dort erprobt, unter anderem die Quanten-Teleportation, bei der feste Materie in reine Energie umgewandelt und dann über ein Subraum-Signal an ferne Orte transportiert wird.
Zuerst eine kurze Reise in einer Raumkapsel in den Orbit. Da ich noch Student bin, darf ich nicht alleine fliegen, also kamen Quim, Kiku und Nao mit. Vor allem Kiku war an einer weiteren Erkundung von Pano interessiert, da er bereits auf dem Planeten gewesen war und die PsychoLoops genauer untersuchen wollte. Beim letzten Dream-Sharing waren keine PsychoLoops mehr zu sehen, dafür ein Delfin sowie jede Menge violette Glibber Korallen. Kiku vermutet, dass da ein Zusammenhang besteht: Die Korallen könnten Psychokinetische Energien besitzen und diese freisetzen. Aber näheres später wenn der Bericht vor Ort auf Pano erfolgt.
Wir reisten also über die Quanten-Teleportation nach Pano: Kiku als Astro-Biologe, Quim in seiner Funktion als Ingenieur und dann ich. Nao flog zusammen mit einem Sicherheits-Robot in einer Raumkapsel voraus. Da Robots keine Atemluft usw brauchen und zudem ihre CPU Gehirne anfällig auf die Strahlung sind, die bei der Quanten-Teleportation freigesetzt werden, war eine Reise in der Kapsel sicherer.
Wir als biologische Lebensformen mussten einen speziellen Anzug tragen, der uns nackt aussehen lässt - lediglich meine Stiefel konnte ich anlassen, der Rest meines Körpers wurde von einer dünnen Schutzschicht besprüht, die meine blaue Hautfarbe imitierte. Diese Schicht schützt vor der Strahlung und den Auswirkungen der Quanten-Verschränkung, die notwendig für die Teleportation ist.
Durch den Subraum zu reisen dauert kaum ein Bruchteil einer Sekunde - Zeit verstreicht nur ausserhalb des Subraum-Kanals, durch den wir als "Datenpakete" verschickt werden. Es ist in etwa so, als würde man eine SpaceMail mit seinem Computer verschicken, nur sind unsere biologischen Körper quanten-verschoben und werden am Zielort projeziert und re-integriert: Unsere Atome fallen wieder an ihren Platz und zack! Schon sind wir da.
Mehr gibt es über das Teleportieren nicht wirklich zu erzählen: Zu fragen, wie man sich dabei "fühlt" usw ist unnötig denn man nimmt keine Zeit wahr, die verstreicht und man "sieht" oder "fühlt" nicht wirklich was. Grünes Licht, das Geräusch des Generators und schon ist man am Zielort: Planet Pano mit seinem pink farbenen Himmel, dem roten Zwerstern und einer aussergewöhnlichen Vegetation. 
Die Eindrücke des Planeten und seiner Umgebung ist in der Realität viel intensiver als es im Dream Sharing war ...


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Reisen durch den Subraum über Quanten-Teleportation ist eine Möglichkeit nach Pano zu gelangen - das letzte Kapitel war eine rein hypothetische Überlegung. Mich reizte es, in einem Raumgleiter nach Pano zu fliegen - doch dazu braucht es eine besondere Energiequelle. Die Entfernung war ein Problem - etwa 10 Miliarden Kilometer - ein anderes ein magnetisches Schutzschild, das die Reisenden (also mich, Quim und Kiku, aber auch NAO, dessen Elektronik nicht gegen Strahlung immun ist) vor der Strahlung unserer Sonne und anderen Strahlen schützen sollte.
Plumbonium ist ein neu entdecktes Element, das man in den Planeten-Ringen um Baab entdeckt hat und eine enorm starke, exotische Energiequelle liefert. Der Atomkern in Plumbonium ist besonders stark, aber extrem instabil. In einem Vakuum und mit einem starken Elektromagneten (der vom Plumbonium selbst mit Enegie versorgt wird) kann es transportiert werden.
Gemeinsam mit NAO habe ich eine kleine Menge dieser Energie auf der BABA Raumstation erzeugen können. Es ist so, als würde man einer kleinen Sonne beim Wachsen zusehen. Es ist übrigens nicht empfehlenswert, Plumbonium - Strahlung und die daraus entstehende Plasma-Energie auf dem Boden eines Planeten zu erzeugen! Unsere Kraftwerke für Plumbonium und die daraus erzeugte Energie, die wir Xeno-T1 nennen, befinden sich allesamt auf Raumstationen im Orbit von Baab. Durch drahtlose Übertragung lässt sich Xeno-T1 an jeden beliebigen Ort übertragen und jede Technologie mit Energie versorgen. 
Zur Raumstation selbst bin ich übrigens über einen der fünf großen Weltraum-Fahrstühle gereist, die auf allen 5 Mega-Cities auf Baab verteilt sind. Unser Planet hat einen riesigen Mega-Kontinent und ein paar kleine Inseln, der Kontinet selbst ist in 5 Districte unterteilt, die gemeinsam einen gigantischen Städte-Verbund bilden: Opal City (wo ich lebe), Azura, Cobalt Island, Xenotopia und SaphiraTopia. Aber das nur am Rande; über die Geographie und Städtekunde von Baab können wir uns ein andermal unterhalten.
Zurück zu meiner Mission nach Pano ... Der Raumgleiter SUPERNOVA 1 ist mit Plumbonium aufgeladen, NAO ist mit dem Bordvomputer BING ALPHA verbunden und hat den Raumgleiter programmiert, Quim, Kiku und ich tragen spezielle Raumanzüge mit einer besondern Strahlenschutz-Beschichtung ... es kann los gehen. Auf nach Pano!



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Wenn man sich etwas vorgenommen hat und eine Sache wirklich will, dann schafft man es auch. Das sagen jedenfalls die Menschen, und vor allem die jenigen, sehr sehr erfolgreich sind in dem, was sie tun. Doch es braucht mehr als nur den Willen - man muss auch den Mut haben, den ersten Schritt zu wagen. Es braucht auch Mut, zu versagen, denn es gibt bei keiner Idee, keinem Vorhaben, keiner Mission die Garantie, dass sie von Erfolg sein wird. Okay, was "Erfolg" bedeutet, ist sehr subjektiv: Ist Geld, Ruhm und Reichtum Erfolg? Oder die Gewissheit, ein bestimmtes Ziel erreicht zu haben schon ein Erfolg? Die Bestätigung, dass man "Recht" hatte? Das hängt davon ab, welches Ziel man sich steckt. Ist Geld und Reichtum das Ziel, dann wird sich der Erfolg wohl in nackten Zahlen auf dem Kontoauszug zeigen.
Was mir immer wieder auffällt ist, dass sich bei den Menschen gerade jene für ihren Erfolg auf die Schulter klopfen, die für die Erfüllung ihrer Ziele meistens von der Leistung / Unterstützung anderer Leute abhängig waren oder sind. Die Verkäuferin, die auf dem 2. Bildungweg ihren "Traum, Erzieherin zu werden" erfüllt hat und sich 90 Minuten lang selbst dafür beweihräuchert, nur um in zwei kleinen Zeilen so ganz nebenbei zu erwähnen, wie "stolz sie auf ihren Mann und Sohn sei" - was im Klartext bedeutet, dass ihr werter Ehegatte den Spaß mit seinem Gehalt finanziert hat. Denn: Ohne Geld geht bei den Menschen so gut wie gar nichts. Und genau das ist der Bremsklotz im Motor des Fortschritts - den wir auf Baab zum Glück schon lange überwunden haben!
Zurück zu meiner ganz eigenen Mission: Ich studiere Quanten-Kypernetik und Astrophysik, und mein Ziel ist der Planet Pano. Ich war bereits über das Dream-Sharing auf diesem Planeten. Der Vorgang ist sehr komplex und aufwendig - ich koppelte mein Gehirn mit der CPU von NAO dem Robot, der wiederrum Psi-Wellen von einem Wesen namens PsychoLoop verbunden war. Ich vermute, die PsychoLoops sind die Ureinwohner von Pano, die nur in Träumen anderer intelligenter Wesen Gestalt annehmen und die Schönheit ihrer Welt präsentieren können. Um zu überprüfen, ob die PsychoLoops auch real / physisch existieren, muss ich eine Reise nach Pano antreten.
Da ich noch Student bin, muss mich mein Mentor Quim Tampeo (Robotik Experte und BASA Ingenieur) begleiten. Mit dabei ist auch Kiku, mein Cousin. Er ist Astro-Biologe und ebenfalls bei der BASA als wissenschaftlicher Berater und Pilot.
NAO der Robot half uns bei der Herstellung einer Plumbonium-Batterie für das Raumschiff. Da Pano 10 Milliarden Kilometer - 10 Tage Flug mit konventionellem Raketenantrieb - entfernt war, ist ein spezieller Antrieb nötig. Die XENO-T1 ist eines der ersten Raumschiffe, die mit einem Photonen-Antrieb ausgestattet ist. Nur benötigt dieser Antrieb exotische Energie - Plumbonium! Diese Kernenergie hat den Vorteil, dass die Strahlung sehr gering und nicht tödlich ist. Aber: Sie ist extrem instabil und explosiv!
NAO konnte uns jedoch exakte Berechnungen liefern, um den Antrieb störungsfrei und sicher installieren zu lassen. Ein Flug mit Photonenantrieb nach Pano wird somit nur 4 Stunden betragen.
Mit im Gepäck haben wir Messgeräte, Proviant und natürlich Aufzeichnungsgeräte. Auf meiner Mütze trage ich eine Schutzbrille, in deren Gläser nanometer-große Partikel eingebettet sind, die mit neuro-visuellen Sensoren ausgestattet die gesamte Umgebung im 360 Grad Modus aufzeichnen kann. Zusätzlich zu den audio-visuellen Eindrücken zeichnet meine Brille auch meine Gedanken und Gefühle auf, um ein möglichst realistisches Abbild der Mission zu erschaffen. 
Um auf meine Worte am Beginn dieses Kapitels zurück zu kommen: Es braucht Mut - Mut zu wagen, zu siegen aber auch Mut dazu, zu scheitern. Ohne dieses Risiko kann es keinen Fortschritt geben. Will man wissen, ob die PsychoLoops auch als reale Wesen existieren, oder nur ein "Traum" des Lebewesens Pano ist, muss man Pano selbst besuchen. Ich freue mich darauf!



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Nachdem wir einen kurzen Abstecher auf einem Asteroiden im Orbit von Baab gemacht und den radioaktiven, grünen Schleim untersucht hatten, der da aus allen Rissen und Spalten quilt, sind wir mit einem Raumgleiter - dem XENO T1 - nach Pano geflogen. Zum ersten Mal mit Photonenantrieb zu reisen ist schon was Besonderes! (Die Sache auf dem Asteroiden mit dem Schleim und der Radioaktivität, die dann doch nicht so stark war, erzähle ich ein anders mal).

Panos Atmosphäre ist angereichert mit den Elementen Valinium und Ozon, was dafür sorgt, dass der Himmel auf Pano pink ist. Laut den Messdaten unserer Sonden und einer Bodenstation, die Quim und Kiku vor einem halben Jahr gewartet hatten (aufgebaut wurde das Ding von Robots und Nano-Constructors) ist die Luft atembar für uns.

"Es gibt die Theorie" so Kiku, als wir aus dem Raumgleiter ausstiegen. "dass Pano vor 2 Milliarden Jahren durch einen Kometenschauer von Baab abgetrennt und eine eigene Welt gebildet hat."

"Das würde auch die Ringe um Baab erklären" fügte ich hinzu. Wir packten unsere Messgeräte aus und begannen, die Umgebung zu scannen. "In den Ringen befindet sich ebenfalls Valinium, aber auch Baab selbst ist es kaum in Spuren vorhanden."

Während Kiku und ich uns über unsere Theorien austauschten und gleichzeitig die Umgebung scannten, blieb Quim verdächtig still. Mir fiel auch auf, dass NAO nicht da war.

"Wo ist unser Robot?", wollte ich wissen. Wir näherten uns den ersten Schleim-Seen die ich aus meinen Träumen bzw dem DreamSharing mit NAO kannte. In der Realität sahen sie etwas anders aus, nicht so bunt und transparent, aber ... das Gefühl, das ich im Traum hatte war wieder da. Es ist schwer zu beschreiben, es ist so, als würde man in eine gemütliche, warme Decke eingewickelt werden und alle Muskeln entspannen ...

"Er ist im Raumschiff geblieben", sagte Quim trocken und ich bemerkte, dass er sich misstrauisch umblickte, als erwarte er irgendeine Gefahr.

"Was hast du?" hörte ich Kiku Quim fragen.

"Nur so ein Gefühl ...", murmelte Quim. Seine Stimme klang immer leiser, als käme ich von weit weg. Ich blickte auf meine Instrumte und erkannte die Umrisse des PsychoLoops aus meinen Träumen auf dem Scanner. Aufgeregt blickte ich in die Richtung, aus der das Signal kam, doch da war nichts ... Nur der Schleimsee und ein paar Pflanzen. Erschrocken blickte ich mich um, doch ausser Kiku und Quim war da niemand ...

"Kip", hörte ich Kiku rufen. "Was hast du?!" Auch seine Stimme klang plötzlich sehr dünn, leise und irgendwie weit, weit weg ...



Quim hatte gleich so ein komisches Gefühl, was Pano anging ... Er hatte vorsorglich ein Medikament besorgt, das die Rezeptoren im Gehirn für Psycho-Attacken immun macht. Es war ein fast schon vergessenes Präparat aus alten Zeiten, als auf Baab in einem Krieg Psycho-Waffen zum Einsatz gekommen waren. Quim selbst hatte diese Idee für schwachsinnig gehalten, bisher war keine Gefahr von Pano ausgegangen, aber diese Dream-Sharing Sache hatte ihn misstrauisch gemacht, und da er als ältester BASA-Mitarbeiter der Mission, Mentor von Kip - und obendrein noch Pilot - eine große Verantwortung trug, hatte er sich das Gegenmittel für Psycho-Attacken vorsorglich selbst verabreicht aber den anderen nichts gesagt. Jetzt stellte er fest, dass das ein Fehler gewesen war ...

"Was ist mit Kip los?", fragte Kiku besorgt. Er stand neben Quim und beide konnten nur zussehen, wie Kip vor ihren Augen scheinbar durchsichtig wurde. War das eine Art von Quanten-Teleportation? Und warum waren sie selbst plötzlich wie gelähmt?

"Keine Ahnung" erwiderte Quim grimmig. Er aktivierte sein InterCom, das er um den Hals trug. "NAO, Position von Kipper Supernova."

"KIPPER SUPERNOVA IST AUSSER REICHWEITE MEINER SENSOREN"

Kiku keuchte erschrocken auf. "Aber ... er ist doch direkt vor uns ... KIP! HEY; KIPPER!" Doch er reagierte nicht, sondern ging Schritt für Schritt auf den Schleim-See zu, aus dem pinke, transparente Jelly-Korallen wuchsen.

Quim und Kiku waren gelähmt, sie konnten sich nicht mehr bewegen, und nur dabei zusehen, wie Kip verschwand ...



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Mein erster Gedanke war tatsächlich, dass es wieder ein Traum war, denn genauso fühlte es sich an. Meine erste Begegnung mit den PsychoLoops hatte ich in einem Traum, bzw in einem Dream-Sharing Programm: NAO war mit mir über das Neuro-Interface verbunden, und der Robot wiederum empfing die Signale von Pano, die er auf mich übertragen hatte. Die große Frage war ja, ob diese Wesen nun physisch real oder Projektionen von dem "Gehirn" von Pano waren.

Sie waren - sie sind - real! Ich befand mich im Schleim-See umgeben von den Jelly-Korallen und von den PsychoLoops. Grüne Wesen mit nur einem Auge, die im Schleim umher schwammen und über Emotionen miteinander - und auch mit mir - kommunizierten. Diesmal war es kein Dream-Sharing, es war real. Der Scanner konnte die PsychoLoops als Lebensformen identifizieren, doch mit den visuellen Sinnen, die humanoide Lebensformen wie ich besitzen, kann man diese Wesen nicht wahrnehmen. Nur mit den Gefühlen.

ULACS ... Dieses Wort hörte - oder besser gesagt, spürte ich - immer und immer wieder.

Nicht PsychoLoops ... Ulacs! Das war der Name dieser Wesen.

Ich tauchte immer tiefer und tiefer in die Weiten des Schleim-Sees und sah Bilder wie aus einem Traum: Da waren Delfine, bunte Jelly-Korallen und gütige, wohlige Stimmen.

ULACS ... Komm zu uns, Kip ...





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NAO´s Programmierung sah eigentlich nicht vor, Rettungsmissionen durchzuführen. Er war von Quim darauf programmiert worden, auf Kipper aufzupassen und Quim regelmäßig Bericht zu erstatten. Kipper war von der Idee, Pano zu erkunden, nicht abzubringen, und auch Quim und Kiku hatten großes Interesse daran, diesen seltsamen Planeten zu erkunden. Die Sonden und Bodenstation, die auf Pano installiert worden war, hatten keine befriedigenden Ergebnisse liefern können - von den Wesen, die Kipper "PsychoLoops" nannte, nahmen die Scanner und Sensoren bisher keine Notiz, sehr wohl aber Bewegungen die ein gewisses Muster aufwiesen, wie es intelligente Lebensformen in der Regel zeigten.

Die BASA selbst wusste nicht viel über den Plan, den Quim und Kiku mit Kipper ausheckten, denn auf Baab geht man sehr offen und liberal mit Forschung um - es gibt schließlich keine Regierung und keine Behörden in dem Sinne wie auf der Erde, von der NAO stammte.

Quim gab NAO den Befehl, die Quanten-Signatur von Kippers DNA zu finden - NAO koppelte diese Daten mit dem Quanten-Teleporter auf der Raumstation.

"NAO", sprach Quim in sein InterCom. Er und Kiku waren noch immer wie gelähmt, konnten aber ein wenig ihre Arme bewegen und zum Glück auch sprechen.

"Kannst du Kip´s Signal finden und ihn aus dem See heraus-teleportieren?"

"DAS IST INNERHALB DER PARAMETER, DIE FÜR KIPPERS ÜBERLEBEN WICHTIG WÄREN, NICHT MÖGLICH" kam die Antwort des Robots.

Kiku keuchte erschrocken auf. "Haben wir jetzt tatsächllich Kip an Schleim-Psyscho-Aliens verloren?"

Noch bevor Quim etwas erwidern konnte oder über seine und Kikus Situation nachdenken konnte (schließllich saßen sie ja auch hier fest), tönte NAO´s Stimme aus dem InterCom:

"ES WÄRE JEDOCH MÖGLICH DAS PSYCHO-SIGNAL ZU UNTERBRECHEN"

Quim und Kiku sahen sich mit einem Funkeln der Hoffnung in den Augen an. "Ja, unterbreche das Psycho-Signal, NAO!" befahl Quim.


Meine tiefsten Wünsche und Träume waren es immer, etwas ganz Besonderes zu vollbringen. Schon immer habe ich jene Baabianer bewundert, die die Welt verändern konnten: Durch neue Erkenntnisse, neue Erfindungen oder auch durch neue Ideen, die dann das Volk und eine ganze Generation dazu inspiriert haben, etwas zu verändern. Ohne diese Personen wären niemals Kriege beendet und geächtet worden. Es gäbe keine Medizin, kein sorgenfreies Leben für alle. Doch dazu brauchte es immer Mut. Mut dazu, auch zu scheitern. Mut dazu, sich nicht nur Freunde, sondern auch Feinde zu machen.

Inmitten meines Traumes - es war jedoch kein Traum, es war Realität, der Schleim-See war real! - wurden diese Wünsche und Träume, die nichts mit rationalem Verstand, sondern mit Herz und mit Gefühl (und Seele) zu tun hatten, extrem verstärkt. Neue Erkenntnisse strömten in mich ein. Ich sah Pano als etwas ganz, ganz Großes ...

Vor mir offenbarten sich riesige Städte; gebaut sowohl auf dem Festland wie auch auf gigantischen, künstlichen Inseln auf dem Meer. Maschinen, die man mit Gedankenkraft steuern konnte. Es gab keinen Hunger, keine Armut, keine Krankheiten und keine Kriege mehr ...

Es war Baab ... meine Heimat! Wie konnte das sein ...

Vor mir tauchte aus dem grünlichen Nebel-Schleier des Schleims NAO auf. Er streckte seine Robot-Hand nach mir aus. Ich ergriff sie ...


Nachdem er das Signal der PsychoLoops unterbrochen hatte, konnte NAO Kipper´s DNA Signatur lokalisieren und seinen Körper via Quanten-Teleportation direkt an Bord des Raumgleiters transportieren.

Quim und Kiku waren aus ihrer Lähmung befreit und begaben sich schnellen Schrittes zurück zum Raumschiff. Noch während die Tür sich hinter ihm schloss gab Quim den Befehl an den Computer, den Antrieb zu aktivieren und das Raumschiff in den Orbit zu befördern.

Sie ließen Pano wieder hinter sich.

Kiku betrachtete einen völlig mit Schleim bedeckten Kip, der auf einer Liege im hinteren Teil des Raumgleiters lag. Er untersuchte ihm mit seinem Bio-Scanner und stellte mit Erleichterung fest, dass alles in Ordnung war.

Kip schlug die Augen auf, sah zuerst Kiku, dann Quim an, und lächelte.



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Abschluss-Bericht Mission zum Planeten Pano

Autor: KIPPER SUPERNOVA (Student)

unter der Aufsicht von QUIM TAMPEO und KIKU SUPERNOVA

Protokolliert von NAO dem Robot

Datum: 102019 - 06 - 18

In den letzten zwei Wochen war die Arbeit an diesem Projekt eine Achterbahnfahrt - nicht nur der Gefühle, sondern auch für die Welt der Wissenschaft. Als wir nach Baab zurückkehrten, überschlugen sich die Medien in Opal City darüber, was nun genau auf Pano geschehen war.


Hier eine kurze Zusammenfassung:

(1) Es gab eine Verbindung via Neuro-Interface zwischen mir, NAO und einem Wesen mit Namen Ulacs vom Planeten Pano. In dieser Verbindung war es möglich, über Träume mit diesem Wesen zu kommunizieren. In diesen Träumen habe ich mit dem Wesen und Projektionen aus meinen Träumen, Wünschen und Sehnsüchten in einer Unterwasser-Welt getaucht. Diese Kommunikation findet / fand auf rein emotionaler Ebene statt. Es gibt keine Worte, keine Klänge, keine taktilen Sinne, die dieses Erlebnis beschreiben lassen.


(2) Ich habe, mit Unterstützung meines Mentors Quim Tampeo und NAO, dem Robot, die Hypothese aufgestellt, ob diese Wesen, die wir PsychoLoops nennen, reale, physiche Lebensformen sind/waren oder nur Projektionen aus Träumen. Es lagen bereits vor unserer Mission Erkenntnisse von Sonden vor, dass der Schleim-See auf Pano eine Art Lebensform mit einem eigenen Gehirn sind. Der Schleim ist jedenfalls durchzogen von Nervenzellen-Artigen Gebilden. Diese bedecken nahezu den ganzen Planeten und bilden ein riesiges Netzwerk.


(3) Klarheit konnten wir nur durch eine Reise nach Pano gewinnen. Dabei kam es zu einer Art Psycho-Attacke durch die Ulacs selbst. Quim war gegen dieses Signal immun, da er sich zuvor ein Mittel gegen Psycho-Waffen verabreicht hatte. Kiku war ebenfalls immun (Grund dafür ist bisher unbekannt). Lediglich ihre Körper waren teilweise gelähmt.


(4) Im Nachhinein war ich keinem Angriff, keiner feindlich gesinnten Attacke durch Ulacs ausgesetzt, es war lediglich eine Form der Kommunikation zwischen Ulacs und mir. Meine "Entführung" kann man in etwa damit vergleichen, dass man einem Schüler ein Buch vorliest oder einen Film vorspielt.


(5) Abschließende Erkenntnis / Ergebnis: Pano war vor über 2 Milliarden Jahren Teil von Baab, welcher durch einen Asteroiden-Schauer abgetrennt wurde und einen eigenen Planeten geformt hatte. Hinweise darauf sind unter anderem das Vorhandensein von Valinium und Ozon auf Pano. Es existiert keine "PsychoLoops"-Zivilisation auf Pano. Der Schleim ist die einzige physische Lebensform auf Pano. Ulacs, wie sich dieses Wesen selbst nennt, ist das einzige Individuum auf Pano. Es ist völlig alleine dort und sendet seit über 50 Millionen Jahren seine Signale in alle Richtungen ins All. Erst durch die Entdeckung der Signale und durch neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Neuro-Interface Forschung war es möglich, dieses Signal wahrzunehmen.

Ulacs ist das letzte seiner Art, und in seinem Schleim-See, der nahezu den gesamten Planeten bedeckt, speichert es die Gedanken, Wünsche und Träume aller intelligenter Wesen, die mal bewusst, mal unbewusst sein Signal finden und sich in diese Träume begeben.

Da dieses Signal physische Körper lähmt und die Orientierung verlieren lässt (was als lebensgefährlich eingestuft wurde), wurden Reisen nach Pano von der BASA und dem Hohen Rat der Weisen von Baab vorerst untersagt. Nicht untersagt ist jedoch das Dream-Sharing via Computer, die mit einem Neuro-Interface gekoppelt sind. So besteht nun die Möglichkeit, sich jede Nacht in den Träumen und Erinnerungen von millionen Jahren alten Zivilisationen zu versenken, und vielleicht auch in seinen eigenen Träume und Visionen zu finden.


[Ende des Berichts und der Übertragung]

KIPPER SUPERNOVA

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